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Sammlung

Rosse rosse

Von Chiara Coppola

Rosse rosse

„Rosse Rosse“ – ein italienischer Superlativ, der „sehr rot“ bedeutet – rückt Menstruationsblut ins Zentrum der Betrachtung. Während Blut die visuelle Kultur durchzieht – von religiöser Ikonographie bis zum Kino –, bleibt Menstruationsblut weitgehend unsichtbar, verborgen hinter Scham, Tabus und übererbtem Unbehagen. Dieses Fehlen spiegelt eine Geschichte der Repräsentation wider, die von patriarchalen Strukturen und kulturellem Schweigen geprägt ist. In Kompositionen, die zugleich inszeniert und intim sind, werden die materiellen Qualitäten des Menstruationsblutes isoliert und verstärkt: Dichte, Glanz, Fluidität, chromatische Intensität. Befreit von Euphemismen und Metaphern erscheint es, wie es ist: Materie. Präsenz. Spur. Der wiederkehrende Kontakt der Haut mit Blut – alltäglich und doch verstörend – offenbart das Spannungsfeld zwischen Vertrautheit und Ablehnung. Die Bilder dramatisieren nicht und verschönern nicht. Sie laden schlicht zum Beobachten ein, dazu, den Blick verweilen zu lassen und Wahrnehmungen neu zu hinterfragen. Indem das Werk Menstruationsblut als Material und Sujet nutzt, hebt es etwas Intimes und Organisches hervor, das selten dargestellt wird und doch allgegenwärtig ist. Hier ist Menstruationsblut weder Spektakel noch Symbol oder Feier. Es ist materielle Realität – intim, zyklisch, unvermeidlich. Sein Rot beharrt. Es hinterlässt Spuren. Es bleibt.

3 Werke

2019 - laufend